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Zanele Muholi, Phaphama, Cassilhaus, Chapel Hill, North Carolina, 2016, from the series Somnyama Nyonyama. © Zanele Muholi. Courtesy of the artist, Yancey Richardson, New York, and Southern Guild, Capetown
Zanele Muholi, Phaphama, Cassilhaus, Chapel Hill, North Carolina, 2016, from the series Somnyama Nyonyama. © Zanele Muholi. Courtesy of the artist, Yancey Richardson, New York, and Southern Guild, Capetown
19.09.2026 – 10.01.2027

Zanele Muholi
We Are Here

Der direkte, konzentrierte Blick ist selbstbewusst und unnachgiebig, zugleich verletzlich und kraftvoll – eine Spannung, die sich auch in der Inszenierung der Kleidung widerspiegelt. In diesem Selbstporträt trägt Zanele Muholi eine Fliege als Symbol westlich geprägter, männlicher Kleidung sowie ein Ingwe-T-Shirt, das in den Zulu-Gemeinschaften Südafrikas traditionell männlich konnotiert ist. Getragen von der nonbinären Person Zanele Muholi werden auf diesem Bild Fragen nach Geschlechterrollen, Stereotypen, Traditionen und deren Aktualität aufgeworfen. Der Titel der Fotografie – Phaphama – bedeutet auf isiZulu „Wach auf!“ und wirkt wie eine Aufforderung, genauer hinzuschauen. Wer wird in Bildern gesehen? Wessen Geschichten werden erzählt und in Archiven bewahrt? Und wer bleibt unsichtbar? Fragen wie diese stehen im Zentrum des Werks von Zanele Muholi, einer der bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen Fotografie.

Nachdem Zanele Muholis Arbeiten bereits in der Londoner Tate Modern, im Gropius Bau Berlin und im San Francisco Museum of Modern Art zu sehen waren, präsentiert das FOTO ARSENAL WIEN mit Zanele Muholi. We Are Here nun die erste Einzelausstellung in Österreich. Die umfassende Schau vereint mehr als 120 Fotografien sowie Videoarbeiten und Archivmaterial aus über zwei Jahrzehnten und bietet einen intensiven Einblick in das vielschichtige Werk.

Zanele Muholi (1972 in Umlazi, Südafrika) bezeichnet sich selbstbewusst nicht als Künstler*in, sondern als visual activist. Seit mehr als 20 Jahren widmet sich Muholi der fotografischen Sichtbarmachung Schwarzer lesbischer, schwuler, bisexueller, transgeschlechtlicher, queerer und intergeschlechtlicher Menschen in Südafrika und weltweit. Die Arbeiten entstehen aus enger Verbundenheit und in intensivem Austausch mit den porträtierten Personen und ihren Communities und verstehen sich als Beitrag zu einer visuellen Geschichte lange Zeit übersehener oder verdrängter Menschen. Denn obwohl Südafrika das erste Land weltweit ist, das die Gleichstellung unabhängig von der sexuellen Orientierung in seiner Verfassung verankert hat, ist der Alltag queerer Menschen dort von Diskriminierung, Ausschluss und heftiger Gewalt geprägt. Wie Kurator*in Marit Lena Herrmann (FOTO ARSENAL WIEN) betont, „bildet die Hinwendung zur Community seit über zwei Jahrzehnten die Grundlage der Arbeit von Muholi: Es geht um die Sichtbarmachung von Ungerechtigkeit und gleichzeitig um Veränderung. Muholis Bilder erzählen positive visuelle Geschichten und zeigen die Kraft des Zusammenseins und der Heilung, die in dieser Gemeinschaft liegt.“

Zanele Muholi. We Are Here gliedert sich in sechs Kapitel und versammelt zentrale Werkserien aus unterschiedlichen Schaffensphasen.

In der Serie Being (2006) etwa richtet Muholi den Fokus auf intime lesbische Beziehungen. Die Fotografien zeigen Liebe, Vertrauen und Alltag, zeugen von Zugehörigkeit und Selbstverständlichkeit. „Obwohl unsere südafrikanische Verfassung – im Gegensatz zu den meisten anderen afrikanischen Staaten – uns rechtlichen Schutz vor Homophobie garantiert“, so Zanele Muholi, „gibt es immer noch keine liebevollen, intimen Fotografien von Schwarzen Lesben. Ich bin ständig mit der Politik der Repräsentation konfrontiert. Ich habe die Wahl, meine Community so darzustellen, dass wir erneut zu einer Ware degradiert werden, die von der Außenwelt konsumiert wird, oder eine Bedeutungsebene zu schaffen, die von uns als Community queerer Schwarzer Frauen angenommen wird. Ich wähle den letzteren Weg, denn nur durch das Einfangen der visuellen Freuden und der Erotik meiner Community rückt unser Sein in den Fokus, ins Bewusstsein der Community und der Nation.“

Einen weiteren Schwerpunkt bildet in der Ausstellung die fortlaufende, 2006 begonnene Arbeit Faces and Phases. Das inzwischen mehrere Hunderte Schwarz-Weiß-Porträts umfassende Archiv versammelt Schwarze LGBTQIA+ Personen als kollaboratives Projekt. Ergänzt durch persönliche Zeugnisse entsteht ein lebendiges Archiv von Erinnerung, Präsenz und Gemeinschaft. Parallel erscheint die aktuelle Publikation Faces and Phases der Serie (MACK, London, 2026). Begleitend zur Ausstellung lädt ein umfangreiches Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm dazu ein, Themen wie queere und Schwarze Sichtbarkeit, Erinnerung und gesellschaftliche Teilhabe weiterzudenken. Im Zentrum von Muholis Arbeit steht stets das Anliegen, mit der lokalen Community in Austausch zu treten und Räume für Begegnung zu schaffen. Das Begleitprogramm besteht aus Diskussionen, Workshops und Führungen sowie einer Konferenz und Buchpräsentationen und fußt auf einer Reihe von Kooperationen, u. a. mit dem Queer Analog Darkroom Collective, MEZEKERE, Queer Museum Vienna, DER GREIF und dem Österreichischen Filmmuseum.

Zanele Muholi wurde 2026 mit dem international renommierten Hasselblad Award ausgezeichnet. Die Ehrung umfasst eine Ausstellung in Göteborg, die im Oktober 2026 eröffnet wird.

Zanele Muholi, Miss D‘vine II, 2007. © Zanele Muholi. Courtesy of the artist, Yancey Richardson, New York, and Southern Guild, Cape Town
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