In Lucy’s Shoe I (2026) richtet Eric Asamoah den Blick auf einen scheinbar alltäglichen Gegenstand: einen Schuh seiner Großmutter Lucy. Das gealterte Leder, die Falten und Gebrauchsspuren erzählen von einem gelebten Leben, von zurückgelegten Wegen und den Erfahrungen, die sich über Jahrzehnte eingeschrieben haben. Der Schuh wird zu einem stillen Träger von Erinnerung und Zeit – ein materielles Zeugnis persönlicher Geschichte, das über das Individuelle hinaus Fragen nach Herkunft und familiärem Erbe aufwirft.
Der österreichische Fotograf Eric Asamoah (* 1999 in Linz; lebt und arbeitet in Wien und Paris) verhandelt in seinen Porträts Fragen von Identität, Erinnerung und Repräsentation – geprägt von transnationalen Perspektiven und gelebten Erfahrungen innerhalb der ghanaischen Diaspora. Seine Arbeiten zeichnen sich durch einen zurückhaltenden, kontemplativen Zugang aus. Kuratorin Mona Schubert: „Mit Eric Asamoah präsentieren wir eine prägende Stimme der jüngeren österreichischen Fotografieszene. Seine vielfach beachteten Fotobücher und Ausstellungen sind von einer poetischen Bildsprache geprägt, die aus der Begegnung mit den Porträtierten entsteht und persönliche Geschichten mit kollektiven Erfahrungen verwebt.“
Asamoahs jüngstes Projekt As Our Hearts Bow (2026) vereint zwei Stränge: Im ersten Teil setzt er sich mit Aufnahmen aus Fotoalben der 1970er- bis 1990er-Jahre auseinander, die überwiegend von den Frauen seiner Familie aufgenommen wurden. Diese Bilder dokumentieren nicht nur Alltagsrealitäten und besondere Anlässe einer Migrationsfamilie, sondern beleuchten auch die Weitergabe des fotografischen Blicks über Generationen hinweg. Im zweiten Teil baut Asamoah auf diese archivalische Annäherung auf und schafft die konzeptuelle Serie, in deren Mittelpunkt die Schuhe seiner Großmutter Lucy stehen.
Die Ausstellung wird von der Publikation As Our Hearts Bow (Distanz Verlag, Berlin, 2026) begleitet. Sie enthält Essays von Renée Mussai und der Ausstellungskuratorin Mona Schubert.
